Alle heute existierenden landlebenden Carnivoren (Fleischfresser) sowie Zahnwale und Robben lassen sich, soweit es sich um Plazentatiere (Säugetiere) handelt, vermutlich auf einen einzigen Vorfahren zurückführen, der in Folge seines rekonstruierten Aussehens als “Bärenhund” bezeichnet wird, allerdings eher einem riesigen Marder ähnelt. Im Verlauf der Evolution bildeten sich neue Gattungen heraus, die unterschiedliche Lebensräume oder ökologische Nischen besetzten, so dass man die heute lebenden Raubsäuger grob in Bären, Marderartige, Hundeartige und Katzenartige (lat.: Felidae) unterteilen kann.
Unter den heute lebenden Feliden bildet die Familie der Schleichkatzen die wohl ursprünglichste erhaltene Art der Katzenartigen; vieles an diesen Tieren wie etwa der auch in Südeuropa beheimateten Ginsterkatze erinnert in der Tat stark an einen gefleckten Marder. Japanische Wissenschaftler behaupten gar, in der Iriomoto-Katze, einer dunkelbraunen urtümlich wirkenden Katze, die einzig in entlegenen Wäldern der kleinen Insel Iriomoto vorkommt, ein Abbild der ersten echten Katzenartigen entdeckt zu haben. Der wissenschaftliche Streit hierüber dauert seit der Entdeckung des möglicherweise “lebenden Fossils” im Jahr 1965 an.
Katzenartige scheinen seit etwa vier Millionen Jahren einen eigenen Entwicklungsweg beschritten zu haben, wobei die genaue Datierung jederzeit durch neue Funde revidiert werden kann.
Heute wird grob in Schleichkatzen, Kleinkatzen und Großkatzen unterteilt. Eine Sonderstellung nimmt der Gepard ein, der zwar zu den Großkatzen gezählt wird, allerdings zahlreiche nicht-katzenartige Merkmale aufweist: Das schnellste Landsäugetier der Erde kann weder seine Krallen einziehen noch auf Bäume klettern, zudem tötet es eine Beute mit einem für andere Katzenarten völlig untypischen Biss und ist weit schwächer als seine angeblichen Verwandten. Auch ist er weit einfacher zu zähmen als andere Katzen seiner Größe wie etwa Leoparden oder Jaguare. Tatsächlich vereinigt der Gepard Merkmale der Hunde- und der Katzenartigen und wird daher einer eigenständigen Familie zugeordnet. Als möglicher Vorfahre der Geparden und der heutigen Hundeartigen gilt eine frühe Hyäne. Auch Luchse und mit ihnen der afrikanische Serval sowie womöglich der seltene asiatische Nebelparder werden mitunter als eine eigene Familie angesehen.
Heutige Groß- und Kleinkatzen werden nicht anhand ihrer Körpergröße unterschieden. So zählt etwa der Puma zu den Kleinkatzen, obwohl er den Leoparden, eine Großkatze, deutlich an Größe und Gewicht übertreffen kann. Kleinkatzen vereint die Fähigkeit, Schnurrlaute von sich zu geben, während Großkatzen das berühmte Brüllen erzeugen können. Dies liegt an anatomischen Merkmalen, die sich im Verlauf der Zeit ergeben haben mögen. Durch klimatische Veränderungen haben vermutlich archaische Katzen verschiedene Lebensräume besiedelt und sich in Größe und Verhalten unterschiedlich entwickelt, um sich dem vorherrschenden Nahrungsangebot optimal anpassen zu können.
Unsere heutigen Hauskatzen stammen von der nubischen Falbkatze “Felis libyca” und der Rohrkatze (Felis chaus) ab, der afrikanischen Falbkatze, die von den Ägyptern domestiziert wurde. Heutige Hauskatzen sind allerdings in Folge der genetischen Kompatibilität verschiedener Kleinkatzenformen meist auch mit dem Erbe der europäischen Wildkatze (Felis Silvestris) versehen.
Wann und wie die “Zähmung” der Stubentiger erfolgte, ist unbekannt. Vermutlich folgten die Kleinkatzen den Ägyptern an ihre Kornspeicher, um dort Ratten und Mäusen nachzustellen und der Mensch erkannte bald den unschätzbaren Wert der kleinen Raubtiere und begann sie zu hegen und zu pflegen, - der Beginn einer beispielosen Symbiose zwischen Mensch und Tier.















